{"id":1971,"date":"2026-01-28T14:19:57","date_gmt":"2026-01-28T13:19:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lan-wan-telecom.de\/?p=1971"},"modified":"2026-01-28T14:19:57","modified_gmt":"2026-01-28T13:19:57","slug":"vertrauen-kontrolle-und-menschlichkeit-diese-werte-sind-2026-wichtig-wenn-es-um-ki-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lan-wan-telecom.de\/index.php\/2026\/01\/28\/vertrauen-kontrolle-und-menschlichkeit-diese-werte-sind-2026-wichtig-wenn-es-um-ki-geht\/","title":{"rendered":"Vertrauen, Kontrolle und Menschlichkeit: Diese Werte sind 2026 wichtig, wenn es um KI geht"},"content":{"rendered":"<p>Wenn heute \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz gesprochen wird, dann meist im Takt der Technikzyklen: neue Modelle, neue Benchmarks, neue Superlative. 2026 r\u00fcckt jedoch ein Aspekt st\u00e4rker in den Vordergrund, der sich nicht in FLOPS, GPU-Generationen oder Parameterzahlen messen l\u00e4sst \u2013 n\u00e4mlich die Verantwortung, die Unternehmen gegen\u00fcber Mitarbeitern, Kunden, Partnern und letztlich der Gesellschaft tragen. Gregor von Jagow, Senior Director und Country Manager Germany bei Red Hat, zeigt, welche Aspekte Unternehmen dabei ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen.\u200b<\/p>\n<p>Mit dem Vordringen von KI in fast jeden Lebensbereich steigt auch der Anspruch an einen verantwortungsvollen Einsatz der Technik. Das hei\u00dft, Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre wirtschaftlichen Interessen mit den ethischen Anforderungen der unterschiedlichsten Stakeholder in Einklang zu bringen. Die Frage ist also nicht mehr, ob wir KI k\u00f6nnen. Sondern: K\u00f6nnen wir KI verantwortungsvoll?<\/p>\n<h4>1. Verantwortung gegen\u00fcber der Gesellschaft: KI muss Fehlentscheidungen vermeiden \u2013 besonders dort, wo es um Menschenleben geht.\u200b<\/h4>\n<p>Unternehmen sehen KI als Wettbewerbsvorteil: Predictive Maintenance reduziert Ausfallzeiten in der Industrie. Intelligente Chatbots entlasten Service-Hotlines. Machine-Learning-Modelle prognostizieren Absatzentwicklungen. Die technischen Vorteile sind unbestritten, aber durchaus nicht frei von Risiken. Denn die Fortschritte der KI verleiten viele dazu, algorithmische Systeme als objektive Entscheidungsmaschinen zu betrachten. Tats\u00e4chlich beruhen die Modelle jedoch auf statistischen Wahrscheinlichkeiten und sind somit grunds\u00e4tzlich fehlbar. Gerade in gesellschaftlich sensiblen Bereichen kann dies gravierende Folgen haben. Ein Beispiel ist die medizinische Diagnostik: Falsch klassifizierte MRT-Bilder, unvollst\u00e4ndige Trainingsdaten oder intransparente Modellentscheidungen k\u00f6nnen zu Fehlern f\u00fchren, die nicht nur das Vertrauen in die Technik untergraben, sondern unmittelbar das Wohl der Patientinnen und Patienten gef\u00e4hrden. So werden Frauen mit Herzinfarkt beispielsweise oft zu sp\u00e4t oder falsch behandelt, weil ihre Symptome weniger eindeutig sind als die vermeintlich \u201eklassischen\u201c Lehrbuchsymptome, die lange Zeit vor allem an m\u00e4nnlichen Standardf\u00e4llen ausgerichtet waren. Damit wird deutlich: Unternehmen tragen Verantwortung daf\u00fcr, dass die KI-Ergebnisse pr\u00fcfbar, nachvollziehbar und fair sind \u2013 insbesondere dort, wo ihre Systeme gesellschaftliche Entscheidungen beeinflussen oder Risiken verst\u00e4rken k\u00f6nnen. Das wiederum setzt transparente Datenquellen, klare Zust\u00e4ndigkeiten und regelm\u00e4\u00dfige Audits voraus.<\/p>\n<h4>2. Verantwortung gegen\u00fcber den Mitarbeitenden: KI ver\u00e4ndert Rollen, darf aber nicht als Ersatz f\u00fcr den Menschen verstanden werden.\u200b<\/h4>\n<p>Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass KI die Berufswelt ver\u00e4ndert. Besonders bei T\u00e4tigkeiten, die routinem\u00e4\u00dfig immer die gleichen Dinge erledigen, wird es zu Umw\u00e4lzungen am Arbeitsmarkt kommen. Denn KI wertet riesige Datens\u00e4tze aus, schreibt Texte und erkennt komplexe Muster \u2013 und das mit einer Geschwindigkeit, die f\u00fcr den Menschen unm\u00f6glich ist. Anstatt selbst zu programmieren, wird der Informatiker der Zukunft nur noch den Bot anweisen, seine Probleme zu l\u00f6sen. Die Unternehmensberaterin kontrolliert automatisch generierte Strategiepapiere auf ihre Schl\u00fcssigkeit, statt sie selbst auszut\u00fcfteln. Doch w\u00e4hrend sich viele F\u00fchrungskr\u00e4fte vor allem Einsparpotenziale erhoffen, lassen sie einen wichtigen Punkt au\u00dfer Acht: die Zeit, die ben\u00f6tigt wird, um k\u00fcnstlich generierte Informationen auf ihre Richtigkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Zudem m\u00fcssen sich die Besch\u00e4ftigten zun\u00e4chst mit den neuen technischen Hilfsmitteln vertraut machen, um sie auch gut einsetzen zu k\u00f6nnen. W\u00e4hrend also die Erwartungen der Chefs steigen, haben viele Angestellte erst einmal mehr zu tun und nicht weniger. Vor dem Hintergrund, dass KI Arbeitsprozesse, Rollenprofile und Kompetenzanforderungen ver\u00e4ndert, m\u00fcssen Unternehmen investieren. Weiterbildungsprogramme, Raum f\u00fcr Experimente und transparente Kommunikation schaffen die Grundlage f\u00fcr einen selbstbestimmten Umgang mit KI. Das Ziel besteht nicht darin, Arbeitspl\u00e4tze zu ersetzen, sondern die Mitarbeitenden zu entlasten und ihnen neue Entwicklungsm\u00f6glichkeiten zu er\u00f6ffnen. Hinzu kommt: Was KI in ein paar Jahren k\u00f6nnen wird, wissen wir heute noch nicht. Aber wie wir uns selbst und unsere Kompetenzen weiterentwickeln k\u00f6nnen, liegt in unserer Hand.<\/p>\n<h4>3. Verantwortung gegen\u00fcber dem \u00d6kosystem: Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t ist entscheidend f\u00fcr den wirtschaftlichen Erfolg.\u200b<\/h4>\n<p>In Zeiten, in denen digitale Lieferketten global verteilt, hochgradig vernetzt und zunehmend KI-gest\u00fctzt arbeiten, entsteht eine neue Form der gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeit. Partner, Zulieferer und Dienstleister verlassen sich darauf, dass Unternehmen technologische Entscheidungen treffen, die Stabilit\u00e4t, Transparenz und Interoperabilit\u00e4t gew\u00e4hrleisten. Genau hier wird digitale Souver\u00e4nit\u00e4t zum gesch\u00e4ftskritischen Faktor: Wer seine Systeme nicht kontrollieren kann, gef\u00e4hrdet nicht nur sich selbst, sondern das gesamte Netzwerk, das auf diesen Systemen aufbaut. 2026 r\u00fcckt deshalb eine grundlegende Frage ins Zentrum: Wie l\u00e4sst sich Souver\u00e4nit\u00e4t erreichen, ohne Innovation auszubremsen? Viele Organisationen suchen Antworten auf dieselben Herausforderungen: Schutz vor geopolitischen Risiken, Vermeidung einseitiger Anbieterabh\u00e4ngigkeiten und die F\u00e4higkeit, Daten, Modelle und Workloads selbstbestimmt zu betreiben. Regulatorische Vorgaben wie der EU AI Act, DORA oder NIS2 verst\u00e4rken diesen Trend, da sie Transparenz und Auditierbarkeit verbindlich vorschreiben. Partner und Lieferanten m\u00fcssen darauf vertrauen k\u00f6nnen, dass ihre Daten nicht in propriet\u00e4ren Blackbox-Strukturen verschwinden und dass Systeme an neue regulatorische Rahmenbedingungen angepasst werden k\u00f6nnen. Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t bedeutet jedoch nicht Isolation. Der produktive Einsatz moderner KI-Modelle erfordert eine skalierbare Infrastruktur, synthetische Daten und leistungsf\u00e4hige Plattformen \u2013 Ressourcen, die h\u00e4ufig nur in der Public Cloud verf\u00fcgbar sind. Entscheidend ist deshalb ein Betriebsmodell, das Flexibilit\u00e4t erm\u00f6glicht: trainieren, wo es effizient ist, und betreiben, wo Compliance und Kontrolle gew\u00e4hrleistet sind.<\/p>\n<p>KI entfaltet ihren Nutzen nur dann nachhaltig, wenn sie auf einem Fundament aus Transparenz und klaren Leitlinien aufbaut. Unternehmen, die ihre Verantwortung ernst nehmen, st\u00e4rken damit nicht nur ihr eigenes Innovationspotenzial, sondern auch das Vertrauen ihrer Mitarbeitenden, ihrer Partner und der gesamten Gesellschaft. 2026 sollte daher weniger im Zeichen der neuesten technologischen Entwicklungen stehen, sondern vielmehr der Verpflichtungen, die Unternehmen mit dem Einsatz von KI eingehen. Wenn man so will, gewinnt Menschlichkeit die Oberhand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn heute \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz gesprochen wird, dann meist im Takt der Technikzyklen: neue Modelle, neue Benchmarks, neue Superlative. 2026 r\u00fcckt jedoch ein Aspekt st\u00e4rker in den Vordergrund, der sich nicht in FLOPS, GPU-Generationen oder Parameterzahlen messen l\u00e4sst \u2013 n\u00e4mlich die Verantwortung, die Unternehmen gegen\u00fcber Mitarbeitern, Kunden, Partnern und letztlich der Gesellschaft tragen. 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