{"id":2228,"date":"2026-07-09T10:25:18","date_gmt":"2026-07-09T08:25:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lan-wan-telecom.de\/?p=2228"},"modified":"2026-07-09T10:25:18","modified_gmt":"2026-07-09T08:25:18","slug":"ezb-warnt-banken-vor-ki-und-quantenrisiken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lan-wan-telecom.de\/index.php\/2026\/07\/09\/ezb-warnt-banken-vor-ki-und-quantenrisiken\/","title":{"rendered":"EZB warnt Banken vor KI- und Quantenrisiken"},"content":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) versch\u00e4rft ihre Warnungen vor einer neuen Generation von Cyberrisiken. In einem aktuellen Schreiben an europ\u00e4ische Banken weist die Bankenaufsicht darauf hin, dass K\u00fcnstliche Intelligenz Angreifern v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet \u2013 von automatisierter Schwachstellensuche \u00fcber hochskalierte Angriffs\u00adkampagnen bis hin zu komplexeren Attacken auf kritische Finanzinfrastrukturen. Zugleich macht die EZB deutlich, dass neben KI eine zweite technische Entwicklung strategische Bedeutung gewinnt: der Fortschritt hin zu leistungsf\u00e4higen Quantencomputern.*<\/p>\n<p>Die Initiative Diplomatic Council Quantum Leap (DCQL) sieht darin eine Best\u00e4tigung ihrer Forderung, Quantensicherheit nicht l\u00e4nger als Zukunftsthema zu behandeln, sondern als strategische Aufgabe der Gegenwart. \u201eDie EZB sendet ein klares Signal: Die Finanzbranche muss sich nicht nur gegen die Cyberangriffe von heute sch\u00fctzen, sondern bereits heute die technische Grundlage f\u00fcr die Bedrohungen von morgen schaffen\u201c, erkl\u00e4rt Harald A. Summa, Chairman von DCQL. Die EZB erwartet von bedeutenden Instituten, dass sie \u201eunverz\u00fcglich und proaktiv Ma\u00dfnahmen ergreifen, um den gestiegenen Risiken zu begegnen.\u201c<\/p>\n<p>Die EZB schreibt ausdr\u00fccklich, dass Fortschritte auf dem Weg zu praktisch nutzbaren Quantencomputern erhebliche Auswirkungen auf die Cybersicherheitslandschaft haben werden. Die Einf\u00fchrung von Post-Quantum Cryptography (PQC) wird nach Einsch\u00e4tzung der Europ\u00e4ischen Zentralbank einen l\u00e4ngeren Zeitraum erfordern, m\u00fcsse aber jetzt beginnen und erfordere nachhaltige strategische Investitionen. Die Bankenaufsicht k\u00fcndigt zudem an, die Risiken f\u00fcr heutige Verschl\u00fcsselungsverfahren durch Quantencomputer in einem weiteren Schreiben gesondert zu adressieren.<\/p>\n<h4>\u201eHarvest now, decrypt later\u201c: Die Gefahr entsteht bereits vor dem Quantencomputer<\/h4>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung von DCQL besteht eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen darin, dass der Schaden nicht erst mit der Verf\u00fcgbarkeit leistungsf\u00e4higer Quantencomputer entsteht. Angreifer k\u00f6nnen bereits heute verschl\u00fcsselte Daten abfangen und speichern, um sie sp\u00e4ter mit Quantencomputern zu entschl\u00fcsseln. Dieses Vorgehen ist unter dem Begriff \u201eHarvest now, decrypt later\u201c bekannt.<\/p>\n<p>Besonders betroffen sind Informationen mit langer Schutzdauer wie Finanztransaktionen, Kundendaten, Identit\u00e4ten, Gesch\u00e4ftsgeheimnisse oder staatliche Kommunikation. \u201eEine Bank, die erst am Tag des ersten kryptographisch relevanten Quantencomputers reagiert, kommt Jahre zu sp\u00e4t. Die Migration komplexer IT-Landschaften ben\u00f6tigt Zeit \u2013 von der Analyse aller kryptographischen Verfahren \u00fcber Tests bis zur vollst\u00e4ndigen Umstellung\u201c, betont Summa.<\/p>\n<p>Viele heute eingesetzte Sicherheitsverfahren beruhen auf Public-Key-Kryptographie wie RSA oder elliptischen Kurvenverfahren (ECC). Diese gelten gegen\u00fcber klassischen Computern als sicher, k\u00f6nnten jedoch durch ausreichend leistungsf\u00e4hige Quantencomputer mit neuen mathematischen Verfahren grunds\u00e4tzlich angreifbar werden. Deshalb arbeiten internationale Standardisierungs\u00adgremien und Technikanbieter bereits am \u00dcbergang zu quantenresistenten Verfahren.<\/p>\n<h4>PQC und QKD als Bausteine einer neuen Sicherheitsarchitektur<\/h4>\n<p>DCQL empfiehlt Finanzinstituten ein pragmatisches, risikobasiertes Vorgehen. Der erste Schritt besteht in der Identifizierung von besonders sch\u00fctzenswerten Kommunikationsstrecken, wie zum Beispiel Rechenzentrums-Kopplungen, \u00fcber die besonders sensible oder gesch\u00e4ftskritische Daten laufen. Diese m\u00fcssen zuerst gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Parallel, auf einer eigenen Zeitachse, ist eine m\u00f6glichst vollst\u00e4ndige Bestandsaufnahme der eingesetzten Kryptographie (\u201eCryptographic Inventory\u201c oder \u201eCryptographic Bill of Materials\u201c, C-BOM) wichtig. Unternehmen m\u00fcssen wissen, welche Algorithmen, Zertifikate, Schl\u00fcssel und Systeme sie einsetzen, um veraltete oder k\u00fcnftig unsichere Kryptographie gezielt zu identifizieren und schrittweise zu ersetzen.<\/p>\n<p>Auf Teilerkenntnissen der C-BOM aufbauend sollten Banken Krypto-Agilit\u00e4t schaffen, also die F\u00e4higkeit, Verschl\u00fcsselungs\u00adverfahren flexibel austauschen zu k\u00f6nnen. Post-Quantum Cryptography erm\u00f6glicht neue mathematische Schutzverfahren, die auch gegen\u00fcber Quantenangriffen widerstandsf\u00e4hig sein sollen. Erg\u00e4nzend bietet Quantum Key Distribution (QKD) die M\u00f6glichkeit, kryptographische Schl\u00fcssel mithilfe quantenphysikalischer Prinzipien besonders sicher zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>\u201eEs geht nicht um eine einzelne Technik, sondern um eine neue Sicherheitsarchitektur f\u00fcr das Quantenzeitalter. PQC, QKD und klassische Cyberresilienz m\u00fcssen zusammengedacht werden\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Florian Fr\u00f6wis, Director Quantum Security bei DCQL und Fachexperte f\u00fcr Quantum-Safe Solutions bei ID Quantique, einem Pionier in Sachen Quantentechnik, der zu IonQ geh\u00f6rt und ma\u00dfgeblich am Aufbau des neuen Frankfurt Financial Exchange (FFX) beteiligt ist.<\/p>\n<h4>Finanzplatz Frankfurt als Zentrum f\u00fcr Quantensicherheit<\/h4>\n<p>Diplomatic Council Quantum Leap errichtet derzeit am Finanzplatz Frankfurt eine Plattform, die Banken, Versicherungen Rechenzentren und Infrastrukturbetreiber zusammenbringt. Ziel ist es, den \u00dcbergang zu quantensicheren digitalen Infrastrukturen zu beschleunigen und Europas Finanzbranche unabh\u00e4ngiger bei Schl\u00fcsseltechniken der n\u00e4chsten Sicherheitsgeneration zu machen.<\/p>\n<p>\u201eKI ver\u00e4ndert bereits heute die Angriffsgeschwindigkeit. Quantencomputer werden morgen die Grundlagen der Verschl\u00fcsselung ver\u00e4ndern. Beides zusammen markiert einen Wendepunkt der Cybersicherheit\u201c, fasst Harald A. Summa zusammen. \u201eDie Botschaft der EZB ist eindeutig: Abwarten ist keine Strategie.\u201c<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Fiedler, Mitglied des Vorstands und Chief Risk Officer der FNZ Bank sowie langj\u00e4hriger Chief Risk Officer bei der Deutschen Bank mit mehr als 25 Jahren internationaler Erfahrung im Risikomanagement und regulatorischen Umfeld, der sich bei DCQL als Risikofachmann engagiert, sagt \u00fcber seine Branche: \u201eDie Bedrohung durch KI ist nicht mehr hypothetisch. Die Geschwindigkeit, mit der Schwachstellen identifiziert und ausgenutzt werden k\u00f6nnen, ver\u00e4ndert die Risikolandschaft. Cyberresilienz ist damit nicht mehr nur eine Frage der IT-Sicherheit einzelner Institute, sondern ein wesentlicher Faktor f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Finanzsystems. Bei der Quanten\u00adtechnik besteht die Herausforderung darin, dass viele Marktteilnehmer die Risiken noch als fernes Zukunftsszenario einstufen \u2013 obwohl die Vorbereitungen f\u00fcr eine quantensichere Infrastruktur bereits jetzt beginnen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) versch\u00e4rft ihre Warnungen vor einer neuen Generation von Cyberrisiken. In einem aktuellen Schreiben an europ\u00e4ische Banken weist die Bankenaufsicht darauf hin, dass K\u00fcnstliche Intelligenz Angreifern v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet \u2013 von automatisierter Schwachstellensuche \u00fcber hochskalierte Angriffs\u00adkampagnen bis hin zu komplexeren Attacken auf kritische Finanzinfrastrukturen. 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