{"id":2311,"date":"2026-08-25T12:24:25","date_gmt":"2026-08-25T10:24:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lan-wan-telecom.de\/?p=2311"},"modified":"2026-08-25T12:24:25","modified_gmt":"2026-08-25T10:24:25","slug":"und-wenn-die-usa-uns-den-ki-saft-abdrehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lan-wan-telecom.de\/index.php\/2026\/08\/25\/und-wenn-die-usa-uns-den-ki-saft-abdrehen\/","title":{"rendered":"Und wenn die USA uns den KI-Saft abdrehen?"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWer aus der Geschichte nicht lernt, der ist verdammt, sie zu wiederholen.\u201c Dieses Sprichwort, frei nach George Santayana, sollte auf ein Tuch gestickt und eingerahmt in jedem B\u00fcro der Chefetage s\u00e4mtlicher Unternehmen in Europa h\u00e4ngen. Denn w\u00e4hrend gerade alle dabei sind, sich von amerikanischen Clouds unabh\u00e4ngig zu machen und das Buzzword digitale Souver\u00e4nit\u00e4t in aller Munde ist, haben sie sich schon wieder in neue Abh\u00e4ngigkeiten begeben. Und nun fragt man sich: Was passiert, wenn OpenAI, Anthropic, Google oder auch ein Elon Musk den Zugriff auf ihre KI-Bots und Large Language Models einschr\u00e4nkt? Wie viele Unternehmen dann \u00fcberhaupt noch arbeiten k\u00f6nnen, steht in den Sternen.<\/p>\n<p>Was umso verwunderlicher ist, denn f\u00fcr Ausf\u00e4lle von Cloud-Diensten oder Cyberattacken haben die meisten l\u00e4ngst Notfallpl\u00e4ne. Doch f\u00fcr den Fall, dass das verwendete KI-Modell pl\u00f6tzlich durch Einschr\u00e4nkungen nur noch bedingt funktional oder zug\u00e4nglich ist, haben sie keine Pr\u00e4ventivstrategien. Dabei ist das Szenario gleicherma\u00dfen real wie gruselig, wie das Beispiel von Anthropic zeigt. Das Unternehmen musste auf Gehei\u00df der US-Regierung den Zugang zu ihren aktuellsten und leistungsst\u00e4rksten KI-Modellen f\u00fcr ausl\u00e4ndische B\u00fcrger unterbinden. Aus Gr\u00fcnden der nationalen Sicherheit, wie es von offizieller Seite hie\u00df.<\/p>\n<p>Da die meisten hiesigen Unternehmen ihre KI-Systeme und -Anwendungen nicht selbst betreiben, sondern via API die Modelle von US-amerikanischen Anbietern verwenden, er\u00f6ffnet sich auf diese Weise ein potenziell katastrophales Szenario: Schaltet ein Anbieter \u2013 aus welchen Gr\u00fcnden auch immer \u2013 den Zugang ab oder schr\u00e4nkt ihn ein, funktionieren ganze Betriebsabl\u00e4ufe, Systeme und Gesch\u00e4ftsanwendungen von einem Moment auf den anderen nicht mehr. Gefahr droht selbst bei via Vibe Coding erstellten und unabh\u00e4ngig von KI betriebenen Anwendungen, denn oft ist dieses Vorgehen ja die L\u00f6sung f\u00fcr zu geringe Entwicklerressourcen. Sind Bugfixes oder Erweiterungen n\u00f6tig, kann die KI dann nicht mehr helfen. Ein weiterer Faktor ist der EU AI Act, der volle Nachvollziehbarkeit \u00fcber Datenfl\u00fcsse verlangt. Unternehmen, die also ihre Daten via API US-amerikanischen KI-Anbietern auf dem Silbertablett servieren, verlieren diese Kontrollf\u00e4higkeit und riskieren Bu\u00dfgelder. Ein Grund mehr, schleunigst umzudenken und einen sogenannten AI Incident Response Plan aufzustellen.<\/p>\n<p>Ein solcher Notfallplan beginnt bestenfalls damit, vollst\u00e4ndige Transparenz zu schaffen. Unternehmen m\u00fcssen wissen, wo ihre Daten liegen, welche KI-Modelle sie verwenden und welche Anwendungen abh\u00e4ngig von ihnen sind. Ein positiver Nebeneffekt dieses Schrittes ist auch, dass Verantwortliche Schatten-KI aufdecken und entsprechende Anwendungen in die Sichtbarkeit und Kontrolle der IT-Abteilung \u00fcberf\u00fchren k\u00f6nnen. Sobald dieser Punkt erledigt ist, brauchen Unternehmen einen echten Fallback f\u00fcr den Notfall. Es gilt also zu evaluieren, wie sie eine vergleichbare und unabh\u00e4ngige KI-Infrastruktur aufbauen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr gibt es einige M\u00f6glichkeiten, zum Beispiel frei verf\u00fcgbare Open-Weight-Modelle, die sich ganz einfach in europ\u00e4ischen oder deutschen Rechenzentren hosten sowie bei Bedarf auf lokaler Infrastruktur betreiben lassen. Sie sind oft sogar API-kompatibel zu den Services der gro\u00dfen KI-Anbieter.<\/p>\n<p>In politisch unsicheren Zeiten wie diesen und im Hinblick auf verbindliche Regularien in der EU sollten Unternehmen keine Sekunde mehr z\u00f6gern, die n\u00f6tigen Schritte einzuleiten. Echte digitale Souver\u00e4nit\u00e4t endet nicht beim Verzicht auf EU-fremde Cloud-Speicher- oder Software-Angebote. Europa muss sich auch in der KI-Frage unabh\u00e4ngig von fremden M\u00e4rkten machen. Nur so k\u00f6nnen hiesige Unternehmen produktiv, sicher, resilient und ohne st\u00e4ndige Angst vor Einschr\u00e4nkungen arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Statement von <em>Sascha Uhl, Senior Solutions Architect<\/em> bei Cloudian<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWer aus der Geschichte nicht lernt, der ist verdammt, sie zu wiederholen.\u201c Dieses Sprichwort, frei nach George Santayana, sollte auf ein Tuch gestickt und eingerahmt in jedem B\u00fcro der Chefetage s\u00e4mtlicher Unternehmen in Europa h\u00e4ngen. 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