{"id":2317,"date":"2026-09-01T10:00:01","date_gmt":"2026-09-01T08:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lan-wan-telecom.de\/?p=2317"},"modified":"2026-09-01T10:00:01","modified_gmt":"2026-09-01T08:00:01","slug":"verschluesselt-aber-nicht-vertraulich-wenn-ki-im-chat-mitliest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lan-wan-telecom.de\/index.php\/2026\/09\/01\/verschluesselt-aber-nicht-vertraulich-wenn-ki-im-chat-mitliest\/","title":{"rendered":"Verschl\u00fcsselt, aber nicht vertraulich: Wenn KI im Chat mitliest"},"content":{"rendered":"<p>Wer sichere Messenger mit End-2-End-Encryption (E2EE) nutzt, ist sicher gegen Spionage und Abh\u00f6rma\u00dfnahmen? Vielleicht, vielleicht auch nicht, wie das aktuelle ChatGPT-Plug-in f\u00fcr Apples iMessage zeigt. Unternehmen, bei denen Mitarbeiter auch private Smartphones mit nicht zertifizierten Apps f\u00fcr Business-Aufgaben nutzen, gehen ab jetzt ein hohes Risiko ein.<\/p>\n<p>Es wirkt auf ersten Blick praktisch: Nutzer k\u00f6nnen auf dem Mac ein ChatGPT-Plug-in installieren, das alle iMessage-Nachrichten mitliest, zusammenfasst, beantworten kann und anderweitig unterst\u00fctzt. Damit das klappt, schiebt das Plug-in die Inhalte in die KI-Cloud von OpenAI, die die Inhalte verarbeitet, speichert, wahrscheinlich zum Training nutzt und deren Inhalte nicht mehr sicher vor staatlichen Zugriffen beispielsweise aus den USA ist.<\/p>\n<p>Was auf den ersten Blick vielleicht nicht klar ist: Damit ist die Ende-zu-Ende-Verschl\u00fcsslung komplett ausgehebelt. Alle bisher vertraulichen Informationen flie\u00dfen in gro\u00dfer Zahl ab. Schlimmer noch: Alle Kommunikationspartner, die sich darauf verlassen haben, dass iMessage Nachrichten so stark verschl\u00fcsselt, dass nicht mal Apple sie mitlesen kann, erfahren davon nichts. Wer jetzt etwas \u00fcber iMessage verschickt, kann nicht mehr sicher sein, dass es nur das Gegen\u00fcber erf\u00e4hrt, weil nicht klar ist, ob der jeweilige Empf\u00e4nger oder irgendein Empf\u00e4nger einer Gruppe das KI-Plug-in nutzt. Das ist ein maximaler Vertrauensbruch, ohne dass die Verschl\u00fcsselung technisch gesehen geknackt wurde.<\/p>\n<h4>Shadow-IT in der Kommunikation ist weit verbreitet<\/h4>\n<p>Und das macht klar, wie gef\u00e4hrlich der Einsatz von nicht freigegebenen Tools, die nur f\u00fcr den privaten Einsatz gedacht sind, f\u00fcr Unternehmen ist: Die aktuelle Studie State of Secure Collaboration 2026 von Wire zeigt, dass 48 Prozent aller befragten Firmen Tools zur Kommunikation nutzen, die nicht auf maximale Sicherheit ausgelegt sind und die nicht von der eigenen IT verwaltet werden.<\/p>\n<p>Unter Zeitdruck oder bei Ausfall bestehender Systeme weichen Mitarbeitende schnell auf firmenfremde bzw. nicht freigegebene Tools und Kan\u00e4le aus, weil sie sie als sicher einsch\u00e4tzen und \u00fcber eine moderne Verschl\u00fcsselung verf\u00fcgen. Das allein ist schon problematisch genug, weil dann nicht mehr nachvollziehbar ist, wer an Gespr\u00e4chen teilgenommen hat und wohin Informationen geflossen sind.<\/p>\n<p>Wird diese Form von Shadow-IT dann aber \u2012 ohne dass die Mitarbeitenden davon wissen \u2012 zus\u00e4tzlich von einer externen KI verarbeitet, ergibt das eine besonders riskante Kombination. Denn sie w\u00e4hnen sich auf der sicheren Seite; dennoch flie\u00dft jegliche Information ab, niemand bekommt es mit und hat auch keine Chance, das Problem auch nur zu erahnen.<\/p>\n<p>Die Kombination aus nicht kontrollierten Kommunikationskan\u00e4len und externer KI-Verarbeitung stellt daher eine neue Qualit\u00e4t dar, da sie der vollautomatischen Auswertung aller Chats auf einem Rechner T\u00fcr und Tor \u00f6ffnet und prinzipiell sehr viele Personen betreffen kann, die dar\u00fcber nicht informiert werden. F\u00fcr Unternehmen ist eine solche KI-Verarbeitung in nicht kontrollierten Kommunikationskan\u00e4len auch deshalb ein Problem, weil die Inhalte dann nicht nur theoretisch verarbeitet werden k\u00f6nnten, sondern tats\u00e4chlich vollst\u00e4ndig Richtung KI-Cloud abflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Genau genommen verst\u00f6\u00dft das Plug-in von OpenAI damit auch gegen die DSGVO, weil es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit personenbezogene Daten verarbeitet, ohne daf\u00fcr eine Rechtsgrundlage oder Einwilligung zu haben. Aber das steht auf einem anderen Blatt.<\/p>\n<h4>KI und Kommunikation m\u00fcssen gemeinsam gedacht werden<\/h4>\n<p>Die Frage, die sich jetzt Unternehmen stellen sollten, ist: Wie l\u00e4sst sich das verhindern und wie soll man als Unternehmen damit umgehen? Das Beispiel zeigt, dass es besonders wichtig ist, nur Kommunikationstools im Unternehmen zu verwenden, die der eigenen Kontrolle unterliegen, State-of-the-Art End-to-End verschl\u00fcsseln und bei denen keine Inhalte unbemerkt von externen KI-Systemen verarbeitet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Einsatz von KI und die Verwendung von Kommunikationstools d\u00fcrfen Verantwortliche in Zukunft nicht mehr getrennt betrachten. Sensible Daten sollten nur \u00fcber die Kan\u00e4le transportiert werden, die freigegeben und kontrollierbar sind.<\/p>\n<p>Denn ab jetzt muss davon ausgegangen werden, dass bei nicht freigegebenen Kommunikationskan\u00e4len auf der anderen Seite eine KI Inhalte auswertet und verkn\u00fcpft und die Inhalte nicht mehr sicher sind. Daf\u00fcr sollten Mitarbeitende entsprechend gebrieft und sensibilisiert werden, damit sie auch in schwierigen Situationen nur auf vorgegebene Kommunikationsmittel zur\u00fcckgreifen, die die notwendige Sicherheit und Vertraulichkeit garantieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Benjamin Schilz<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5>\u00dcber den Autor<\/h5>\n<p>Benjamin Schilz ist seit Januar 2024 Chief Executive Officer (CEO) des Berliner Unternehmens Wire, einem f\u00fchrenden Anbieter f\u00fcr sichere Messaging- und Kollaborationsl\u00f6sungen f\u00fcr Regierungen und Unternehmen. Bei Wire treibt Schilz die internationale Expansion voran und setzt sich f\u00fcr digitale Souver\u00e4nit\u00e4t, Ende-zu-Ende-Verschl\u00fcsselung und europ\u00e4ische Datenschutzstandards ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sichere Messenger mit End-2-End-Encryption (E2EE) nutzt, ist sicher gegen Spionage und Abh\u00f6rma\u00dfnahmen? 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