{"id":2341,"date":"2026-09-15T12:02:59","date_gmt":"2026-09-15T10:02:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lan-wan-telecom.de\/?p=2341"},"modified":"2026-09-15T12:02:59","modified_gmt":"2026-09-15T10:02:59","slug":"cloudian-einschaetzung-souveraenitaet-macht-ki-noch-lange-nicht-vertrauenswuerdig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lan-wan-telecom.de\/index.php\/2026\/09\/15\/cloudian-einschaetzung-souveraenitaet-macht-ki-noch-lange-nicht-vertrauenswuerdig\/","title":{"rendered":"Cloudian-Einsch\u00e4tzung: Souver\u00e4nit\u00e4t macht KI noch lange nicht vertrauensw\u00fcrdig"},"content":{"rendered":"<p>Aktuell sprechen viele Vordenker davon, dass europ\u00e4ische Unternehmen schnellstm\u00f6glich KI-Souver\u00e4nit\u00e4t erreichen m\u00fcssen. Das stimmt, sagt Cloudian, Anbieter von Object Storage und KI-Infrastrukturen. Cloudian warnt allerdings davor, Souver\u00e4nit\u00e4t mit Sicherheit und Vertrauensw\u00fcrdigkeit gleichzusetzen.<\/p>\n<p>Europa muss sich von China und den USA emanzipieren, daran f\u00fchrt kein Weg vorbei. Bei der Cloud-Nutzung und allgemein im Hinblick darauf, welche Software Unternehmen verwenden, klappt das bereits ganz gut. Bei K\u00fcnstlicher Intelligenz besteht allerdings dringender Nachholbedarf, denn hier greifen die meisten eben doch wieder auf Large Language Models (LLMs) von OpenAI, Anthropic oder Google zur\u00fcck. Souver\u00e4nit\u00e4t darf allerdings nicht das Ende der KI-Journey bedeuten, denn allein dadurch wird K\u00fcnstliche Intelligenz nicht vertrauensw\u00fcrdig oder sicher. Um KI m\u00f6glichst sorgenfrei zu betreiben und den Antworten auch vertrauen zu k\u00f6nnen, empfiehlt Cloudian Unternehmen die folgenden acht Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<h5>Schritt 1: Datenstandort und -verarbeitung festlegen<\/h5>\n<p>Die Basis f\u00fcr Sicherheit und Vertrauen, auch im Kontext von KI, ist und bleibt die Datenhoheit. Daher m\u00fcssen Unternehmen ihre sensiblen Daten kontrolliert lagern. Ein eigenes Rechenzentrum oder ein Cloud- beziehungsweise Storage-Provider mit europ\u00e4ischem, besser noch deutschem Sitz, ist daf\u00fcr die richtige Wahl. Einfach nur das EU-Rechenzentrum eines US-Hyperscalers zu w\u00e4hlen, ist ein unn\u00f6tiges Risiko, denn der EU AI Act erzwingt die l\u00fcckenlose Nachvollziehbarkeit des Datenflusses.<\/p>\n<h5>Schritt 2: Betriebsmodell des LLM bewusst w\u00e4hlen<\/h5>\n<p>Die am weitesten verbreiteten Large Language Models sind nicht lokal zu betreiben, sondern lassen sich nur \u00fcber APIs direkt auf US-Servern ansteuern. Eine bessere Alternative sind Open-Weight-Modelle, die Unternehmen lokal hosten. So behalten sie die volle Kontrolle, brauchen allerdings eigene GPU-Ressourcen. Wenn das nicht m\u00f6glich ist, sollten Unternehmen ein Open-Weight-Modell lieber bei hiesigen Anbietern hosten, als ein gro\u00dfes Closed-Source-Modell der Marktf\u00fchrer zu nutzen. Wer sie per API nutzt, bleibt vom Anbieter abh\u00e4ngig \u2013 inklusive Abschalt-Risiko.<\/p>\n<h5>Schritt 3: Abstraktionsschicht zwischen Rohdaten und LLM einziehen<\/h5>\n<p>Retrieval Augmented Generation (RAG) ist aktuell einer der wichtigsten Use Cases im KI-Kontext und macht Unternehmensdaten mithilfe von KI durchsuchbar. Dabei laufen Daten \u00fcber eine Data Pipeline direkt in eine Vektordatenbank, das LLM sieht normalerweise keine Rohdaten. Um jedoch kein Risiko einzugehen, sollten Unternehmen eine Plattform verwenden, die automatisiert entscheidet, welches LLM beispielsweise f\u00fcr das Embedding und welches f\u00fcr die Abfrage verwendet wird. Wer diese Entscheidung den Mitarbeitenden \u00fcberl\u00e4sst, provoziert Fehlbedienung und Datenexposition.<\/p>\n<h5>Schritt 4: Zugriffsrechte und Datenklassifizierung definieren<\/h5>\n<p>Unternehmen m\u00fcssen rollenbasierte Zugriffskontrolle durchsetzen und zwar auf zwei Ebenen. Zun\u00e4chst muss festgelegt werden, welche nicht-menschlichen Identit\u00e4ten, wie beispielsweise Anwendungen, LLMs und KI-Bots, auf welche Daten zugreifen d\u00fcrfen. Anschlie\u00dfend muss auf Nutzerebene definiert werden, wer welche Informationen von der KI erhalten darf. Voraussetzung daf\u00fcr ist eine Klassifizierung der Dokumente, sonst landen etwa Gehaltsdaten ungewollt in einer RAG-basierten KI-Antwort. Doch Vorsicht: Solche Granularit\u00e4t ist bis dato in der Regel nur auf Dokumentenebene m\u00f6glich.<\/p>\n<h5>Schritt 5: Trainings- und Fine-Tuning-Strategie bewusst w\u00e4hlen<\/h5>\n<p>F\u00fcr die meisten Use Cases reicht ein allgemein trainiertes LLM ohne eigenes Training. Wollen Unternehmen ihr KI-Modell f\u00fcr bestimmte Use Cases speziell trainieren, m\u00fcssen sie die Daten vorher anonymisieren oder pseudonymisieren. Meist reicht allerdings ein einfaches Fine-Tuning des Modells. Ein komplett eigenes Training ist selten wirklich notwendig und verursacht nur einen unn\u00f6tigen Mehraufwand.<\/p>\n<h5>Schritt 6: Antworten verifizieren lassen<\/h5>\n<p>Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Aktuell m\u00fcssen Menschen nat\u00fcrlich jede KI-Antwort verifizieren. Die Antwortqualit\u00e4t und das Vertrauen in KI lassen sich allerdings bereits vor der Ausgabe erh\u00f6hen, beispielsweise indem Unternehmen ein zweites LLM oder einen KI-Agenten die Antwort des ersten gegenchecken lassen, bevor sie an den Nutzer geht.<\/p>\n<h5>Schritt 7: KI-Betrieb kontinuierlich pflegen<\/h5>\n<p>KI-Modelle werden laufend von neueren Versionen abgel\u00f6st und oft schwankt die Qualit\u00e4t von Iteration zu Iteration. Unternehmen sollten auf Staging- oder Testumgebungen vor jedem Modell-Update pr\u00fcfen, ob bestehende Use Cases weiter sauber funktionieren. Ohne solche Testballons kippt sonst das m\u00fchsam aufgebaute Vertrauen in die KI-Anwendung.<\/p>\n<h5>Schritt 8: Fallback- und Incident-Response-Plan bereithalten<\/h5>\n<p>Der letzte und vermutlich wichtigste Schritt ist es, einen Plan B in der Tasche zu haben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass US-Anbieter auch den Zugriff auf Open-Weight-Modelle bei Bedarf kappen k\u00f6nnen. Unternehmen sollten daher in jedem Fall eine Alternativl\u00f6sung parat haben, die eine bestehende KI-Infrastruktur in kurzer Zeit ersetzen kann. Noch besser ist es nat\u00fcrlich, gleich auf Modelle und Komponenten zu setzen, die nicht einfach von Dritten abgeschaltet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eKI-Souver\u00e4nit\u00e4t ist die Grundlage f\u00fcr vertrauensw\u00fcrdige KI\u201c, betont Sascha Uhl, Senior Solutions Architect Channels and Alliances bei Cloudian. \u201eAber erst durch gezielte Kontrolle, einen sicheren Betrieb und einen Plan B f\u00fcr die Betriebskontinuit\u00e4t entsteht wirklich vertrauensw\u00fcrdige KI.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Sascha Uhl, Senior Solutions Architect Channels and Alliances bei Cloudian (Quelle: Cloudian)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktuell sprechen viele Vordenker davon, dass europ\u00e4ische Unternehmen schnellstm\u00f6glich KI-Souver\u00e4nit\u00e4t erreichen m\u00fcssen. 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