Aktuelle Datenlecks bei deutschen Einzelhändlern zeigen, dass selbst Unternehmen, die über starke IT-Sicherheitsmaßnahmen verfügen, über vertrauenswürdige Drittanbieter gefährdet werden können. Wenn Einzelhändler ihre digitalen Ökosysteme mit den Lösungen von SaaS-Anbietern und weiteren Logistikpartnern kontinuierlich erweitern, müssen sie dabei berücksichtigen, dass jeder eingebundene Drittanbieter die eigene Angriffsfläche vergrößert.
Einzelhändler kämpfen weiterhin mit bekannten Bedrohungen
Bei vielen Datenlecks sind personenbezogene Daten wie Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Geburtsdaten für Angreifer ebenso wertvoll wie Anschriften, Passwörter und Zahlungsinformationen. Selbst solche scheinbar grundlegenden Angaben liefern wichtige Erkenntnisse, mit denen Angreifer noch überzeugendere Phishing-Kampagnen und Identitätsbetrug planen und durchführen können. Die finanziellen Folgen solcher Vorfälle zeigen sich oftmals nicht bereits beim eigentlichen Sicherheitsvorfall, sondern erst später im Rahmen weiterer Angriffe.
Laut einer aktuellen Studie von ManageEngine zur operativen Resilienz deutscher Unternehmen berichten drei Viertel der Befragten aus dem Bereich Einzelhandel, dass sie im vergangenen Jahr einen cybersicherheitsrelevanten Vorfall verzeichnen mussten. Dabei zählen Phishing und kompromittierte Zugangsdaten trotz steigender Investitionen im Bereich Cybersicherheit weiterhin zu den am häufigsten verzeichneten Angriffsmethoden, gefolgt von der Ausnutzung vorhandener Schwachstellen und Datenlecks. Die Ergebnisse der Studie deuten zudem darauf hin, dass Angreifer oftmals nicht wegen neuartiger Angriffsmethoden erfolgreich sind, sondern bekannte Schwachstellen ausnutzen, die sich in komplexen digitalen Ökosystemen nur schwer dauerhaft und umfassend beseitigen lassen.
Die Studie zeigt außerdem eine auffällige Diskrepanz darin, wie Einzelhandelsunternehmen nach Sicherheitsvorfällen auf diese reagieren. Die Befragten gaben beispielsweise an, regelgetriebene Maßnahmen und Anpassungen interner Richtlinien stärker zu priorisieren als technische Maßnahmen wie die Behebung von Schwachstellen, das Patch-Management und die Überprüfung von Zugriffsrechten. Umfassende Compliance ist für eine effektive Unternehmenssteuerung zwar wichtig, kann operative Cyberrisiken ohne komplementäre technische Maßnahmen jedoch nicht ausreichend senken. Unternehmen benötigen deshalb einen kontinuierlichen Überblick über ihre IT-Ressourcen, digitalen Identitäten und Zugriffe durch Drittanbieter, damit sie Bedrohungen erkennen und eindämmen können, bevor Kundendaten offengelegt werden.
Deutsche Einzelhandelsunternehmen sind sich der Bedeutung von Technologie für die Aufrechterhaltung der Widerstandsfähigkeit jedoch durchaus bewusst: 75 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sowohl für den laufenden Betrieb als auch für ihre Sicherheit stark auf IT-Systeme angewiesen sind. Dennoch kämpfen IT-Sicherheitsteams in Unternehmen weiterhin mit signifikanten operativen Herausforderungen, wie beispielsweise nach wie vor zu vielen manuellen Prozessen, die durch Budgetkürzungen noch verschärft werden. Daher ist es nicht überraschend, dass nur 58 Prozent der Befragten aus dem Einzelhandel darauf vertrauen, die cybersicherheitsrelevanten Vorfälle, die sie in den kommenden ein bis zwei Jahren erwarten, auch bewältigen zu können.
Fazit
Diese Vertrauenslücke wird sich in Zukunft wahrscheinlich noch vergrößern. Künstliche Intelligenz (KI) ermöglicht es Cyberangreifern, immer ausgefeiltere Angriffe mit einer Geschwindigkeit und in einem Umfang durchzuführen, mit denen herkömmliche und manuelle Sicherheitsprozesse nicht Schritt halten können. Und identitätsbasierte Angriffe und ein mangelnder Überblick über die Bedrohungslage stellen für Einzelhändler ebenfalls eine große Sorge dar. Dass selbst relativ simple Angriffsmethoden weiterhin erfolgreich sind, zeigt zudem, wie stark Cyberresilienz inzwischen davon abhängt, das eigene Geschäftsumfeld und die Geschäftspartner sorgfältig auszuwählen und zu prüfen. Unabhängig davon, wo ein Cyberangriff herkommt, sind es jedoch die Unternehmen, die eine wirksame Identitätssteuerung mit umfassender Einsicht in ihre Betriebsumgebung, konsequentem Schwachstellenmanagement und strenger Kontrolle von Drittanbietern verbinden, die solchen Bedrohungen besser standhalten können.
Praveen Das, Technical Head bei ManageEngine
