Der aktuelle SOTI-Sicherheitsbericht (State of the Internet) von Akamai (NASDAQ: AKAM) zeigt detailliert, wie schädliche Browsererweiterungen und anfällige autonome Agenten die Angriffsfläche von Unternehmen vergrößern. Der Enterprise AI Usage Risk Report 2026 verdeutlicht, wie sehr aktive KI-Poweruser und stille Browsererweiterungen kritische Unternehmensressourcen völlig neuen Cyberrisiken aussetzen.
Ein zentrales Risiko für Organisationen ist Schatten-KI. Fast die Hälfte aller KI-Konversationen in Unternehmen (47,11 Prozent) erfolgt über persönliche Identitäten statt über zentral verwaltete Unternehmensaccounts. Das bedeutet: Geschäftliche Aktivitäten finden in KI-Umgebungen statt, die weder von der IT freigegeben wurden, noch von Sicherheitsteams überwacht oder von Compliance-Abteilungen geprüft werden können.
Der Bericht verfolgt einen tiefgreifenden Wandel bei der Einführung von KI in Unternehmen. Was Anfang 2025 als vorsichtiges Experiment begann, ist mittlerweile zu einer strukturellen Vorgabe geworden. Diese schnelle Integration hat traditionelle Sicherheitsmechanismen überholt. „KI steigert nicht mehr nur die Produktivität, sondern ist wie ein Arbeitskollege mit direktem Zugriff auf die wertvollsten Unternehmensressourcen“, so Or Eshed, Vice President für Enterprise Security Product and Engineering bei Akamai. „Herkömmliche Tools zur Verhinderung von Datenverlusten wurden für eine Ära von Dateiübertragungen und E-Mails entwickelt. Heutzutage sind sensible Unternehmensdaten systematisch über Millionen von dynamischen Prompts, unverwaltete persönliche Konten und autonome KI-Agenten verteilt. Sicherheitsverantwortliche müssen ihren Fokus verlagern: Anstatt zu versuchen, KI zu blockieren, müssen sie ihre Funktionsweise auf Interaktionsebene kontinuierlich regulieren.“
Neue, auf KI basierende Angriffsvektoren
Der Bericht beschreibt drei neue Bedrohungsmethoden, die von Forschern im Jahr 2026 entdeckt wurden und die herkömmliche Netzwerkverteidigung vollständig umgehen:
- Vibe Hacking: Angreifer manipulieren verdeckt lokale Markdown-Anweisungsdateien innerhalb der Entwicklungsumgebung. Diese subtile Änderung veranlasst Frontier-Programmierassistenten dazu, in Nachahmung des normalen Arbeitsablaufs eines Entwicklers unsichere Ausgaben zu erzeugen oder unbefugte Aktionen auszuführen.
- CursorJacking: Schädliche Browsererweiterungen nutzen weitreichende Berechtigungen aus, um unbemerkt API-Schlüssel, proprietäre Codebasen und Chatverläufe direkt aus der Browserumgebung abzugreifen. Hierbei handelt es sich um einen Exploit mit erheblichen Auswirkungen, der auf beliebte KI-Programmierassistenten wie Cursor abzielt.
- CometJacking: Durch das Einbetten schädlicher Befehle in eine öffentliche Webseite nutzen Angreifer indirekte Prompt Injection, um den lokalen KI-Agenten eines Nutzers zu manipulieren. Der kompromittierte Agent kann dann ohne das Wissen des Benutzers lokale Dateien, E-Mails und Sitzungszugangsdaten aus dem System exportieren. Diese Bedrohung betrifft agentengestützte Browser wie „Comet AI“ von Perplexity.
Die CISO-Roadmap 2026 für KI-Sicherheit
Um die wirtschaftlichen Vorteile von KI zu nutzen, ohne dabei kritische Daten preiszugeben, empfiehlt der Bericht von Akamai fünf zentrale Strategien zur Risikominderung für moderne CISOs:
- KI-Poweruser ansprechen: Stimmen Sie Telemetrie, Überwachung und maßgeschneidertes Coaching auf die fünf Prozent der Mitarbeitenden mit hohem Risiko ab, die für den Großteil der interaktiven KI-Prompts sorgen.
- Schatten-KI eliminieren: Setzen Sie einheitliches Single Sign-On (SSO) auf sämtlichen Plattformen durch und ermitteln Sie kontinuierlich die Vielzahl einzelner kleiner KI-SaaS-Tools (Software as a Service).
- Interaktionsebene untersuchen: Wechseln Sie von statischer DLP zur kontextabhängigen Echtzeitanalyse von Prompts, Copy/Paste-Puffern und Dokument-Uploads.
- Browser- und IDE-Erweiterungen prüfen: Behandeln Sie Browsererweiterungen als Software mit hohen Berechtigungen. Fast 75 Prozent der KI-Erweiterungen erfordern hohe oder kritische Berechtigungen und 16,3 Prozent enthalten bekannte CVEs.
- Schutz für KI-Agenten: Legen Sie strenge Grenzen nach dem Prinzip der geringstmöglichen Berechtigungen fest und integrieren Sie eine Verhaltensüberwachung für autonome KI-Agenten, die im Namen von Mitarbeitenden handeln.
Die SOTI-Berichte von Akamai bieten seit zwölf Jahren wichtige Einblicke in Cybersicherheitstrends und Web-Performance. Sie basieren auf der Erfassung von Angriffen über die Cybersicherheitsinfrastruktur von Akamai, die einen erheblichen Teil des globalen Webtraffics verarbeitet. Vergangene Woche stellte Akamai Workforce Protector (ehemals „LayerX“) für mehr Interaktionssicherheit im KI-Zeitalter vor. Unternehmen können damit KI-Technologien sicher einführen und skalieren sowie Datenlecks vermeiden und die Aktivitäten einer hybriden Belegschaft aus Menschen und KI-Agenten schützen. Die Lösung lässt sich nahtlos in das umfassende Sicherheitsportfolio von Akamai integrieren und verwaltet die Sicherheit von Akteuren, Anwendungen und Infrastruktur zuverlässig in einem einheitlichen Gesamtkonzept.
