HTEC-Studie: KI-Investitionen im Finanzsektor steigen schneller als der Reifegrad der Anwendungen

HTEC, ein weltweit tätiges Technik- und Engineering-Unternehmen, hat den „HTEC AI Value Realization Report 2026: Financial Services & Insurance“ veröffentlicht. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter Führungskräften aus der Finanz- und Versicherungsbranche und zeigt: Die steigenden Investitionen deutscher Finanzinstitute in Künstliche Intelligenz gehen bislang nicht mit einem höheren Reifegrad einher.

Von den befragten deutschen Unternehmen aus der Branche, die derzeit KI einführen, berichten 88 % von steigenden Investitionen in den vergangenen zwölf Monaten. Bei 57 % stiegen die Investitionen dabei sogar erheblich. Dennoch befinden sich bislang nur 46 % in der Skalierungsphase oder nutzen KI gar als integralen Bestandteil ihres Geschäftsmodells.

Diese Zahlen deuten auf eine wachsende Kluft zwischen Investitionen und dem Reifegrad der KI-Nutzung hin. Die größte Ursache dafür liegt möglicherweise nicht in der Technik selbst: So stimmten 83 % der befragten deutschen Institute der Aussage zu, dass Menschen und Prozesse den Nutzen von KI stärker begrenzen als die Technik.

Neue Umsätze generieren statt nur Kosten senken

Die Studie zeigt auch, dass sich die Erwartungen von Finanzinstituten an KI verändern. Für lediglich 15 % der befragen deutschen Unternehmen sind Kostensenkungen das wichtigste Ziel ihrer KI-Investitionen. Mit jeweils 30 % verfolgen die meisten Unternehmen primär die Ziele, neue Umsatzströme zu generieren und die Produktivität zu steigern. Die Ansätze zur Erfolgsmessung sind allerdings uneinheitlich. 40 % der befragten deutschen Institute verlangen ein formales Modell zur Berechnung des Return on Investment, bevor sie eine KI-Initiative genehmigen. 25 % bewerten den wirtschaftlichen Ertrag dagegen erst nach der Umsetzung.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Definition und Messung des Nutzens über den gesamten Lebenszyklus von KI-Investitionen hinweg weiterhin eine wichtige Herausforderung auf dem Weg zu einem höheren Reifegrad darstellt. Auch bei der Governance offenbart die Umfrage Handlungsbedarf. So messen 35 % der befragten deutschen Unternehmen Risiken ausschließlich bei Hochrisiko-Systemen. Lediglich 5 % erfassen und bewerten die Risiken systematisch über ihr gesamtes KI-Portfolio hinweg. Zudem stellen die deutschen Finanzdienstleister fest, dass sie mehr externe Unterstützung benötigen als ursprünglich erwartet. 25 % berichten, stärker auf externe Partner oder Berater angewiesen zu sein als angenommen.

Investitionen in konkreten Nutzen überführen

Insgesamt legen die Ergebnisse der Umfrage nahe, dass es in der nächsten Phase der KI-Einführung bei Finanzdienstleistern weniger darum gehen wird, einfach weitere Techniken einzuführen. Vielmehr wird entscheidend sein, die Voraussetzungen für einen breiten Einsatz zu schaffen. Dazu gehören klar definierte Geschäftsziele, vertrauenswürdige Daten, eindeutige Verantwortlichkeiten, eine konsistente Erfolgsmessung und eine dem jeweiligen Risiko angemessene Governance. Diese Grundlagen gewinnen immer mehr an Bedeutung, je stärker Finanzinstitute agentische KI-Workflows in ihre Geschäftsprozesse integrieren.

Damit verändern sich auch die Anforderungen an externe Partner. Unternehmen benötigen zunehmend Unterstützung, die Strategie und Engineering mit der praktischen Umsetzung und dem organisatorischen Wandel verbindet. Externe Partner müssen dazu beitragen, Transparenz über KI-gestützte Entscheidungen zu schaffen, geeignete Schutzmechanismen zu etablieren und eine lückenlose Nachverfolgbarkeit zu gewährleisten. So lässt sich überprüfen, wie solche Entscheidungen zustande kommen und ob sie die angestrebten Ergebnisse erzielen.

„Ob Unternehmen mit KI die gewünschten Ergebnisse erzielen, hängt maßgeblich von den Rahmenbedingungen rund um die Technik ab: Wie sie KI in ihre Abläufe integrieren, ob es klare Verantwortlichkeiten für die Ergebnisse gibt und ob die Mitarbeitenden dazu befähigt werden, KI konsequent zu nutzen“, resümiert Philip Otley, Global Managing Partner bei HTEC. „Deshalb helfen wir Finanzdienstleistern dabei, ihre Teams durch KI zu stärken und die organisatorischen Voraussetzungen für den KI-Einsatz zu verbessern. Dadurch lässt sich die Lücke zwischen Investitionen und Reifegrad schließen und der Nutzen von KI auch bei einem breiten Einsatz messbar machen. Für die Studie wurden weltweit Top-Manager aus der Finanz- und Versicherungsbranche befragt, darunter auch in Deutschland. Die von HTEC beauftragte Umfrage führte Censuswide zwischen dem 9. und 24. Juli 2026 durch. Der vollständige Report ist hier verfügbar.


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