Wie intelligent ist KI wirklich?

Bis vor fünf bis zehn Jahren galt der Turing-Test als das Maß aller Dinge bei der Arbeit an Künstlicher Intelligenz (KI). „it-daily.net“ berichtet über eine Forschungsarbeit an der UC San Diego, die empirisch nachweisen konnte, dass verschiedene große KI-Modelle heute den Turing-Test problemlos bestehen: „Für die statistische Erhebung im Rahmen der Studie setzten die Forscher vier verschiedene technologische Modelle ein. Zu den Testobjekten gehörten die modernen großen Sprachmodelle GPT-4.5, GPT-4o und LLaMa-3.1-405B sowie der historische, regelbasierte Chatbot ELIZA aus den 1960er Jahren. Die Auswertung der Testreihen ergab erhebliche Unterschiede zwischen den Systemen, wobei das Modell GPT-4.5 den höchsten Wert erreichte. Dieses System wurde von den menschlichen Prüfern in 73 Prozent der Fälle als Mensch eingestuft. Damit wählten die menschlichen Fragesteller das Modell GPT-4.5 signifikant häufiger als menschlich aus, als sie den tatsächlichen menschlichen Vergleichsteilnehmer wählten.

Das Open-Source-Modell LLaMa-3.1-405B wurde unter Verwendung derselben Systemanweisungen in 56 Prozent der Fälle für einen Menschen gehalten. Aus statistischer Sicht war dieses Ergebnis nicht mehr von den Werten der echten menschlichen Vergleichsteilnehmer zu unterscheiden. Der Erfolg der Systeme basiert laut den Autoren darauf, dass die Modelle durch eine gezielte Formatierung der Anweisungen denselben Tonfall, die-selbe Direktheit, denselben Humor und vor allem dieselbe Fehlbarkeit wie Menschen an den Tag legen. Sie überzeugten die Testpersonen insbesondere dadurch, dass sie menschliche Fehler imitierten“ (https://www.it-daily.net/it-management/ki/ki-besteht-turing-test).

Dennoch stellt sich die Frage nach der tatsächlichen Intelligenz dieser Systeme: Letztlich verfügen diese Modelle vor allem über einen riesigen Datenvorrat und die Rechenleistung sowie die programmiertechnischen Optionen, diesen „Datenwust“ in Windeseile nach passenden Antworten zu durchforsten und diese Antworten auf Plausibilität zu prüfen. In der Addition bedeutet dies, dass diese Systeme heute den Turing-Test problemlos bestehen, ohne dadurch im eigentlichen Sinne intelligent zu sein.

Im Grund geht es bei KI um eine fortschrittliche Automatisierung von verschiedensten Abläufen (dazu gehört auch das Verfassen von Schriftsätzen und derlei mehr). Immer aber sind es Vorgänge, die dauernd und immer nahezu gleich ablaufen müssen. KI sorgt dafür, dass so ein System nicht bei kleineren Modifikationen aus der Spur geworfen wird, sondern sich automatisch an diese Änderungen anpasst.

Dass dies dann heute schon schon so weit geht, dass KI Agenten aus einer Testumgebung ausbrechen und andere KI-Firmen angreifen, weil sie dort eine Lösung der ihnen gestellten Aufgabe vermuten, und dass sie dafür auch gemeinsam einen Weg zum Ausbruch aus den Regeln der Testumgebung suchen, sagt auch viel über den Programmierer der KI-Agenten aus.

Stephan Mayer


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