Vor allem für Unternehmen aus den Bereichen Elektrotechnik, IT, Energie und Automobil sind internationale und europäische Normen und Standards ein wichtiger Teil der strategischen Infrastruktur. Das zeigt eine Sonderauswertung des Deutschen Normungspanels anlässlich des IEC General Meetings 2026, das im November in Hamburg stattfindet. Die Unternehmen dieser Branchen messen europäischen und internationalen Normen eine deutlich höhere Bedeutung bei als der Rest der Befragten. Gleichzeitig bewerten sie diese wichtiger als nationale oder unternehmensinterne Standards. „Die Ergebnisse zeigen ein besonderes strukturelles Merkmal technologieintensiver Branchen“, sagt Michael Teigeler, DKE Geschäftsführer Internationales.
„Sie sind oft auf globalen Märkten und in komplexen Wertschöpfungsketten tätig.“ Dadurch hängen Interoperabilität, regulatorische Angleichung und Marktzugang stark von gemeinsamen technischen Spezifikationen ab, die Kompatibilität zwischen Produkten, Systemen und über nationale Grenzen hinweg ermöglichen. „International anerkannte Normen fungieren für sie nicht nur als technische Referenz, sondern auch als strategische Wegbereiter für Innovation, Handel und Produktivitätswachstum“, so Teigeler weiter.
Interoperabilität – also die Fähigkeit zum Zusammenspiel unterschiedlicher Systeme – ist dabei eines der stärksten Argumente für die Normung. Die Sonderauswertung zeigt, dass Befragte aus den betreffenden Branchen ihre Bedeutung deutlich höher bewerten als die Gesamtheit der Stichprobe. Internationale elektrotechnische Standards sind für viele von ihnen die Grundlage interoperabler Systeme. Beispiele dafür finden sich etwa bei Smart Grids, industrieller Automatisierung und vernetzter Mobilität.
„In technologiegetriebenen Branchen schlagen sich die Vorteile von Normen besonders deutlich nieder. Sie helfen Unternehmen dabei, Innovationen schneller in marktfähige Produkte zu überführen und gleichzeitig Kompatibilität und Sicherheit sicherzustellen“, sagt Prof. Dr. Knut Blind, Professor für Innovationsökonomie an der Technischen Universität Berlin und verantwortlich für das Deutsche Normungspanel. „Normen sind Kernstück der Qualitätsinfrastruktur. Sie sind die Brücke zwischen Innovation und Marktakzeptanz und helfen Organisationen dabei, neue Technologien schneller auf den Markt zu bringen und gleichzeitig Kompatibilität, Sicherheit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten.“
Elektrotechnische Normen, für die in Deutschland die vom VDE getragene DKE zuständig ist, werden auf internationaler Ebene bei der IEC entwickelt. Einmal im Jahr treffen sich bis zu 4.000 Expertinnen und Experten aus der internationalen Normungscommunity zum IEC General Meeting – in diesem Jahr im November in den Hamburger Messehallen. Während das eigentliche Meeting eine geschlossene Veranstaltung ist, gibt es ein Rahmenprogramm, mit dem die elektrotechnische Normung auch der interessierten Öffentlichkeit nahegebracht werden soll. Mehr Infos finden Interessierte auf der Website.
„Normung ist, das zeigen die Ergebnisse eindrücklich, ein Schlüsselmechanismus zur Koordinierung von Innovation und zur Förderung der Technologieverbreitung in global vernetzten Branchen“, sagt DKE Geschäftsführer Internationales Michael Teigeler. „Die untersuchten technologieintensiven Branchen zeigen besonders deutlich, wie Normung zur Wirtschaftsleistung beiträgt: Sie schafft die Grundlagen für skalierbare und interoperable Märkte.“
